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Chronik

Geschichte des Wurstmarkts

Aus einem Markt für Pilger auf dem Michelsberg wurde das größte Weinfest der Welt — nachgezeichnet in 22 Stationen.

Stationen
22
Erste Erwähnung
1417
Zeitraum
1155 – 2025
Mit Quellen
22

01 — Chronik

Von 1417 bis heute

Jede Station mit Jahr, Ereignis und Einordnung — für Details auf den Titel tippen.

  1. 1155 Früheste Erwähnung des Michelsbergs Der Michelsberg bei Dürkheim wird erstmals als "Monte sancti Michaelis" in einer Urkunde genannt. Schon damals war der Hügel mit seiner kleinen Michaelskapelle ein Wallfahrtsort, zu dem Gläubige aus der ganzen Region pilgerten. Rund um die Kapelle bildeten sich mit der Zeit kleine Märkte, auf denen Bauern und Handwerker ihre Waren anboten – der Keim des späteren Volksfests war gelegt.
  2. 1417 Der erste Markt auf dem Michelsberg Am Michaelstag des Jahres 1417 wurde der Markt erstmals urkundlich erwähnt. Pilger zogen auf den Michelsberg, um zu beten, Winzer und Bauern nutzten die Gelegenheit, Wein, Brot und Wurst anzubieten. Was als fromme Wallfahrt begann, wurde rasch zu einem lebhaften Jahrmarkt – einer Verbindung aus Glaube, Handel und Geselligkeit, die bis heute das Wesen des Wurstmarkts prägt.
  3. 1577 Umzug ins Tal auf die Brühlwiesen Das bunte Treiben auf dem Michelsberg wurde immer größer – zu groß für den engen Platz rund um die Kapelle. 1577 beschloss man, den Markt ins Tal zu verlegen. Auf den Brühlwiesen fand man mehr Raum, bessere Wege und vor allem: mehr Platz zum Feiern. Damit war der Grundstein für den modernen Wurstmarkt gelegt.
  4. 1601 Ende der Michaelskapelle Die kleine Kapelle, einst Mittelpunkt des Pilgergeschehens, wurde 1601 abgerissen. Der religiöse Charakter trat in den Hintergrund, das gesellige und wirtschaftliche Miteinander gewann an Bedeutung. Aus der Wallfahrt wurde endgültig ein Volksfest.
  5. 1832 Vom Michaelismarkt zum Wurstmarkt 1832 tauchte der Name "Wurstmarkt" erstmals in amtlichen Dokumenten auf. Der Grund war einfach: Es wurde viel, sehr viel Wurst gegessen. Der volkstümliche Name gefiel den Pfälzern, und so wurde aus dem ehrwürdigen Michaelismarkt der bodenständige, fröhliche Dürkheimer Wurstmarkt.
  6. 1882 Der Nachmarkt entsteht Um der stetig wachsenden Besucherzahl gerecht zu werden, wurde 1882 ein zusätzlicher "Nachmarkt" eingeführt. Nun konnte an zwei Wochenenden gefeiert werden – ein Erfolgsmodell, das sich dauerhaft etablierte.
  7. 1910 Zwei Wochenenden auf Probe Die Verantwortlichen experimentierten erstmals mit einer Zweiteilung des Festes: Der Markt fand an zwei Wochenenden statt, um Besucherströme besser zu verteilen. Die Idee kam gut an – und wurde wenig später offiziell übernommen.
  8. 1913 Offizielle Festlegung auf zwei Wochenenden 1913 wurde beschlossen, den Wurstmarkt dauerhaft an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden im September zu feiern. Das war der Beginn der heutigen Struktur des Festes: großzügig, offen und voller Begegnungen.
  9. 1926 Der Zwischenmarkt wird geboren Zwischen den beiden Wochenenden führte man 1926 einen zusätzlichen Tag ein – den "Zwischenmarkt". Dieser Mittwoch entwickelte sich schnell zum Lieblingstag vieler Besucher: etwas ruhiger, aber genauso gesellig, ein Moment des Durchatmens zwischen den großen Festtagen.
  10. 1934 Das Dürkheimer Riesenfass entsteht Ein Symbol für die Pfalz: 1934 wurde das Dürkheimer Riesenfass gebaut. Es ist das größte Fass der Welt, fasst theoretisch 1,7 Millionen Liter – und ist doch ein Restaurant. Es steht am Wurstmarktplatz und erinnert bis heute an die enge Verbindung von Weinbau, Gastfreundschaft und Lebensfreude.
  11. 1940 Kriegsjahre und Zwangspause Während des Zweiten Weltkriegs musste der Wurstmarkt mehrfach ausfallen. Viele Winzer und Familien waren betroffen, das Festgelände beschädigt. Doch der Geist des Markts blieb lebendig – im Herzen der Dürkheimer.
  12. 1948 Fischmarkt statt Wurstmarkt Nach den Kriegsjahren fehlte es an Lebensmitteln, Fleisch war knapp. Doch anstatt auf das Fest zu verzichten, veranstalteten die Dürkheimer 1948 einen "Fischmarkt". Statt Bratwurst gab es Hering, statt Schoppen Wein eine Ration mit Lochkarte. Der Wurstmarktgeist aber lebte weiter: Wenn gefeiert werden kann, wird gefeiert!
  13. 1951 Zwei volle Wochenenden Ab 1951 dauerte der Wurstmarkt erstmals sieben Tage – zwei volle Wochenenden mit dem traditionellen Mittwoch dazwischen. Damit begann die Ära des modernen Großfests, das Besucher weit über die Pfalz hinaus anzog.
  14. 1966 Größtes Weinfest der Welt 1966 wurde erstmals offiziell festgestellt, dass auf dem Dürkheimer Wurstmarkt mehr Wein ausgeschenkt wird als irgendwo sonst auf der Welt. Seither trägt das Fest stolz den Titel "Größtes Weinfest der Welt".
  15. 1985 Neun Tage Feiern Seit 1985 dauert der Wurstmarkt neun Tage – verteilt auf zwei Wochenenden und den Zwischenmarkt. Mehr als 600.000 Besucher strömen jedes Jahr nach Bad Dürkheim, um Weine aus der gesamten Pfalz zu genießen, im Schubkarchstand zu sitzen und echte Pfälzer Lebensart zu erleben.
  16. 2017 600 Jahre Wurstmarkt 2017 feierte Bad Dürkheim ein unglaubliches Jubiläum: 600 Jahre Wurstmarkt. Mit Gratisschoppen, Sonderveranstaltungen, historischen Führungen und Musik wurde das Fest zu einer großen Hommage an seine Geschichte – und an die Menschen, die es durch die Jahrhunderte getragen haben.
  17. 2020 Worschdmarkt dehääm Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg musste der Wurstmarkt 2020 ausfallen – die Corona-Pandemie machte ein Fest auf den Brühlwiesen unmöglich. Es sollte nicht das einzige Mal bleiben: Auch 2021 wurde abgesagt. Doch die Dürkheimer erfanden den "Worschdmarkt dehääm": Mit Online-Programmen, Livestreams, Weinpaketen und digitalen Musikacts wurde das Fest einfach ins Wohnzimmer verlegt.
  18. 2021 Erneute Absage Auch 2021 musste der Wurstmarkt erneut der Corona-Pandemie weichen und wurde zum zweiten Mal in Folge abgesagt – ein beispielloser Einschnitt in der jahrhundertelangen Geschichte des Festes.
  19. 2022 Rückkehr auf die Brühlwiesen Nach zwei Jahren Pause feierte der 606. Wurstmarkt 2022 seine Rückkehr – endlich wieder auf den Brühlwiesen und ohne Einschränkungen. Ein besonderes Highlight war eine Autogrammstunde des kompletten Teams des Zweitliga-Aufsteigers 1. FC Kaiserslautern im Festzelt.
  20. 2023 Besucherrekord und Nachhaltigkeit Der Wurstmarkt 2023 begeisterte mit Besucherrekorden und einem modernen Nachhaltigkeitskonzept. Von Mehrwegbechern bis zu grüner Energie zeigte sich das Traditionsfest zukunftsfähig wie nie zuvor.
  21. 2024 Heiraten auf dem Wurstmarkt Beim 608. Wurstmarkt sorgte eine Premiere für Schlagzeilen: Erstmals konnten Paare direkt auf dem Festgelände standesamtlich heiraten – eine charmante Verbindung von Tradition und Lebensfreude. Nach dem Anschlag von Solingen wurden zudem die Sicherheitsvorkehrungen deutlich verstärkt, rund 600 Polizistinnen und Polizisten waren täglich im Einsatz.
  22. 2025 Historisches Schauspiel am Michelsberg Der 609. Wurstmarkt (12.–22. September 2025) rückte die eigene Geschichte in den Mittelpunkt: Ein historisches Schauspiel in drei Akten unterhalb der Michaeliskapelle erweckte die bewegte Vergangenheit des Festes eindrucksvoll zum Leben. Der traditionelle Fassanstich durch den Wurstmarktwinzermeister eröffnete das Fest.

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